Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt - Kirrberg
In den ältesten erhaltenen Urkunden von 1290 ist von einer "Capella in Kerchperch" die Rede, also einer Kapelle auf dem Berg, auf dem Kirchberg. Es ist anzunehmen, dass diese Kapelle dem Ort auch seinen Namen gegeben hat: Kirrberg. Hier auf dem Kirchberg ist also schon seit mehr als 700 Jahre ein Ort des Gebetes.
16. Jh. "Kirche auf dem Berg"
Im 16. Jh. ist dann schon die Rede von einer "Kirche auf dem Berg". Es handelt sich dabei wahrscheinlich schon um eine größere Kirche als das ursprüngliche Kapellchen. Diese Kirche wird Mitte des 17 Jh. während des 30-jährigen Krieges völlig zerstört. Sie liegt mehr als hundert Jahre im wahrsten Sinne des Wortes in Schutt und Asche.
1783-85 Wiedererrichtung der Kirche
Erst Ende des 18 Jh. wird eine neue Kirche gebaut. Beim Wegräumen des Schutts der zerstörten Kirche aus dem 16 Jh. findet man neben dem Taufstein in einer Nische ein irdenes Muttergottesbild (ca. 50 cm hoch). Die Umgebung der Statue war von Kerzen verrußt, so dass davon auszugehen ist, dass schon im 16./17. Jh. Kirrberg ein Ort der besonderen Marienverehrung war.
Die Status war so stark beschädigt, dass man sie bei der Beerdigung einer alten Frau mit in den Sarg gab. So erzählt eine alte Legende. Die Kirche war sehr klein und bescheiden, ein Saalbau von ca. 6 x 12 m mit ungefähr 140 Sitzplätzen.
1889-98 Neugotische Kirche
Das Dorf Kirrberg wächst und die Kirche wird zu klein. Nur hundert Jahre, nachdem die Kirche nach so langer Zeit wieder aufgebaut wurde, entschließt man sich, den Bau abzureißen und eine neue, größere Kirche zu bauen.
1898 ist die Kirche fertiggestellt. Es ist eine kleine neugotische Kirche mit einem Hauptschiff und einem Chorraum. Der hintere Teil der heutigen Kirche ist noch das alte neugotische Hauptschiff von 1898. Links war der Marienaltar, rechts der Josefsaltar und die Kanzel. Die Kirche hatte drei geschnitzte Altäre, geschnitzte Beichtstühle und Bänke.
Diese neugotische Kirche hat beide Weltkriege halbwegs unbeschadet überstanden. Am Ende des zweiten Weltkrieges, 1945, wurde sie teilweise zerstört. U.a. gingen die Fenster zu Bruch und die Hauptfassade wurde zerstört. Nach dem Krieg wurde sie notdürftig renoviert.
1955-57 Erweiterungsbau
Nach dem Krieg ergab sich das gleiche Problem wie schon 50 jahre vorher: Die Kirche war zu klein. Bei dem Neubau 1898 hatte die Gemeinde 900 Katholiken, 1955 waren es bereits über 2000. Man entschied sich, die Kirche zu erweitern. 1955-57 wurden Querschiff, Chorraum, Empore und der Turm angebaut. Es lagen nur 60 Jahre zwischen dem Bau der Kirche und ihrer Erweiterung, aber man muss bedenken, dass in diesen 60 Jahren viel passiert ist, was sich natürlich auch in der Architektur ausdrückte. Daher sind die angebauten Teile in einem ganz anderen Stil gebaut als die ursprüngliche Kirche.
1957 war der Erweiterungsbau fertig. Es war noch die Zeit vor dem 2. Vatikanischen Konzil. Dementsprechend stand der Altar noch an der Wand, unmittelbar unterhalb des Altarmosaiks. Nach dem 2. Vatikanischen Konzil wurde es notwendig, den Altarraum noch einmal umzugestalten. 1973/74 wurde die Kirche innen renoviert und dabei der Altarraum neu gestaltet. Dabei wurden der Altar, Ambo, Tabernakel und die Sedilien von Karl-Heinz Deutsch aus Beton gestaltet. Mitte der 80er Jahre wurde das Kirchenportal erneuert und die Glasbetonfenster vom damaligen Pfarrer Alfons Gebhart gestaltet.
Altarmosaik
Das Altarmosaik ist seit der Erweiterung 1957 in der Kirche. Es wurde vom Kirchenmaler Adams aus Homburg geschaffen und in Mettlach gelegt. Es zeigt die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel.
Auch hier müssen wir die Zeit bedenken: Erst 1950, also sieben Jahre vorher, verkündigte Papst Pius XII. das Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den himmel. In der Volksfrömmigkeit gab es das Fest Maria Himmelfahrt mindestens seit dem 7. Jh. Erst 1950 erfolgte die Dogmatisierung. Es ist die offizielle kirchliche Bestätigung eines uralten Glaubens der Kirche.
Das Altarmosaik zeigt Maria, wie sie in einer großen, flüssigen Bewegung zu Gott geholt wird. Die Hände Gottes (ganz oben zu sehen) empfangen sie schon. Sie ist losgelöst von der Erde. Unter ihr ist die Gestalt des Satans, der zu Boden geworfen ist. Er symbolisiert alles Negative in unserem Leben, alles Unvollendete und Unheile. Maria kann all das hinter sich lassen. Nicht sie wird von Unheilen besiegt, sondern sie besiegt alles, was ungut ist.
Auf der rechten Seite steht der Prophet Jesaja. Er sagte den Menschen seiner Zeit eine Jungfrau voraus, die ein Kind gebären wird und die von aller Schuld befreit sein wird. Deshalb weist Jesaja auf Maria hin. Links unten sieht man Papst Pius XII., der von einem Engel den Wortlaut des Dogmas der Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele erhält.
Wallfahrten
Über den Ursprung der Wallfahrten ist wenig bekannt. Der Brauch der Wallfahrten in Kirrberg geht jedoch sicher bis ins 18. Jh., wahrscheinlich jedoch noch weiter zurück. Das Gnadenbild stammt aus dem 18. Jh. aus der Klosterkirche von Saarwerden. Während der französischen Revolution wurde diese Klosterkirche profanisiert. In dieser Zeit ersteigerte ein Bürger aus Blicksweiler die Marienstatue und stiftete sie der Kirche in Kirrberg kurz nach 1800. Seitdem steht sie in der Kirrberger Kirche.
Maria ist als Himmelskönigin dargestellt. Sie trägt eine Krone und ein Zepter und hält das segnende Jesuskind mit der Weltkugel auf dem Arm. Sie steht mit dem Fuß auf der Mondsichel und tritt der Schlange auf den Kopf. 1977 wurde die Figur neu gefaßt. Sie wurde mit einem Strahlenkranz versehen und erhielt eine neue Krone. Seit wann diese Marienfigur als Gnadenbild verehrt wurde, ist unklar. Seit jeher werden in Kirrberg die beiden Wallfahrtsfeste Maria Heimsuchung (2. Juli) und Maria Geburt (8. September) gefeiert.
Aus den letzten beiden Jahrhunderten wird von Gebetserhörungen berichtet. In der alten Kirche von 1798 hingen viele Krücken und Votivtafeln um den Muttergottesaltar angebracht. Es waren zeichen des Dankes von Menschen, die im Gebet vor dem Gnadenbild Trost und Hilfe erfahren haben.
1902, vier Jahre nachdem die neugotische Kirche fertig war, schrieb der Mundartdichter Fritz Claus für die neue Kirche das Pilgerlied "Maria, Du Mutter der Gnaden", das bis heute noch zu den Wallfahren gesungen wird.
Quellen
"Ein kleiner Kirchenführer", zusammengestellt von Michaela Clade-Schuster, ehemalige Pastoralreferentin von Kirrberg
Festschrift "Festgabe zur Konsekration der Pfarr- und Wallfahrtskirche zu Kirrberg" vom 4. August 1957


